Ökologisch Bauen Bundesweit

 


Nichts prägt den Menschen in der Umwelt mehr als die Begegnung mit der Natur und der bebauten Umwelt.
 Verfasser: Groenewold, Scherer, Pelikan
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Ökologisch Bauen Bundesweit

Bund Architektur und Umwelt e.V.

Nichts prägt den Menschen in der Umwelt mehr als die Begegnung mit der Natur und der bebauten Umwelt. Die Architektur in Einklang mit der Umwelt zu bringen ist der Anspruch des Bund Architektur und Umwelt (B.A.U.). Vor dem Hintergrund wurde der Verein 1981 gegründet.
Die Mitglieder erarbeiteten damals ein Konzept für die Praxis des Bauens nach baubiologischen und bauökologischen Grundsätzen. Sie gaben sich ein baubiologisches Manifest. Im Laufe der letzten 23 Jahre sind auf diese Weise die unterschiedlichsten Bauten in verschiedenen Orten Deutschlands entstanden, die zeigen wie man mit dieser Philosophie bauen kann.

Die Motivation der einzelnen Architekten, Mitglied in diesem Verband zu sein, ergibt sich aus der besonderen Situation des Architekten. Er ist in der Regel ein Einzelkämpfer. Das Bauen in enger Verpflechtung mit der Natur, der Umwelt, dem Menschen erfordert jedoch ein in Beziehung gehen mit komplexen Gegebenheiten.
Die Mitglieder des B.A.U. haben erkannt, daß ein kollegialer Austausch bei dieser Bauweise nur von Vorteil sein kann. Der B.A.U. ist dabei eine Plattform für ein internes Netzwerk und eine Möglichkeit die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren.

Mit welchen Baustoffen kann man bauen?


Erweiterungsbau der Grundschule Beerfelden in ökologischer Holzbauweise
Architektinnen Gesine Stöcker und Dörte Petersson


Baustoffe werden zusätzlich nach den Kriterien der Umwelt- und der Gesundheitsverträglichkeit bewertet.
Die ökologische Bewertung eines Baustoffes bemisst den Energieaufwand und die Schadstoffemission bei der Rohstoffgewinnung, -aufbereitung, -verarbeitung,
den -einbau und –endsorgung. Der Einsatz regional verfügbarer Rohstoffe verringert den Transportaufwand.
Baustoffe mit gesundheitsschädlichen Eigenschaften durch Gase, Stäube und Strahlung, hierzu zählen auch die Baustoffe, die in ihrer Wirkung umstritten und noch nicht genügend erforscht sind, sollen nicht verwendet werden.
Herausragender Baustoff in der Ökobilanz ist Holz, weil es bei der Verbrennung genau die Menge an CO2 abgibt welches in der Wachstumsphase aufgenommen wird, bei der Photosynthese O2 abgibt, gute Dämmeigenschaften hat und gut wiederverwertbar ist. Bevorzugt verwendete Baustoffe sind ansonsten Ziegel, Kalk und Lehm und als Dämmstoffe Holzwerkstoffe, Zellulose, Hanf und Flachs.
Der Materialeinsatz soll für den Nutzer nicht nur ein behagliches gesundes Raumklima schaffen, sondern durch die Verarbeitung und die damit verbundenen Oberflächen und Strukturen die sinnlichen Wahrnehmungen fördern.

Wie kann energiesparendes Bauen aussehen?

Der überwiegende Teil an fossilen Brennstoffen wird für Gebäudeheizung und Warmwasseraufbereitung verbraucht.
In der architektonischen Planung kann der Energiehaushalt durch “passive“ und “aktive“ Maßnahmen beeinflusst werden.
Zu den “passiven“ Prinzipien des „solaren Bauens“ in Mitteleuropa zählen die kompakte und hochgedämmte Bauweise, eine Grundrissgestaltung, welche nach Ost-Süd-West eine offene und nach Norden eine weitestgehende geschlossene Fassadengestaltung zulassen, eine Auswahl speicherfähiger Baustoffe um die Sonnenenergie „aufzufangen“ und die Ausnutzung der thermischen Luftkreisläufe.
Die “aktiven“ Maßnahmen sind eine intelligente Kombination der heutigen Möglichkeiten aus der aktiven Solarnutzung thermisch für Warmwasser mit einem energiewirksamen Heizsystem und der Einsatz von Photovoltaik zur Gewinnung von Strom. Die “aktiven“ Planungsbestandteile sollten nur die technischen Additive zur Vervollständigung der “passiv“ geplanten Gebäude und Siedlungen sein.


Konvektives Kühlsystem in Camacha, Portugal, Architekt Günther Ludewig


Wie geht man mit der Ressource Wasser um?

Wasser ermöglicht regenerierende Kreisläufe durch seine flüssige wie gasförmige Bewegung.
Die Einsparung von Trinkwasser durch entsprechende Installationen, die Nutzung des Regenwassers und die Versickerung des überschüssigen Regenwassers sorgen dafür, dass die Hauptressource Wasser besonders geschützt wird. Eine Nutzung auf Nachbarschaftsebene im Zusammenhang mit geplanten ökologischen Stadtbaukonzepten macht dieses besonders wirtschaftlich.
In Verbindung mit Pflanzen, auch auf Dächern und an Fassaden, kann Wasser klimaverbessernd genutzt, gereinigt und gefiltert werden und im Außenbereich wieder erlebbar gemacht werden.


Flow- forms lebendige Kläranlagen in Järna, Schweden/ Bildhauer John Wilkes



Einfamilienhaus in Lampertheim, Architekt Alexander Böhm

Was hat Luft mit Bauen zu tun?

Die Lufteigenschaften bestimmen in vielfältiger Weise unser Leben und unsere Wahrnehmungen.
Die oben erwähnten Auswahlkriterien für Baustoffe, die maximale Ausnutzung von regenerativen Energiequellen unter der Prämisse Minimierung des CO2-Ausstosses und das Wiedereinführen des Elementes Wasser in die Planung wirken sich alle positiv auf die globale Luftqualität aus.
Die Standortwahl und die Bauweise sind nach baubiologischen Kriterien sowohl von der Luft bestimmt wie auch für die Luft bestimmend.
Bestehende Erdmagnetfelder und eventueller Elektrosmog beeinflussen die Wahl des Bauplatzes.
Das Bauwerk bestimmt durch die Bauweise und durch die Baustoffwahl die Luftqualität.
Ein Baukörper, der eine gute Sonneneinstrahlung ermöglicht, sorgt dafür, daß die Raumluft warm wird und die keimtötende UV-Strahlung erhält.
Ebenso sorgt ein dampfdiffusionsoffener Wandaufbau für ein ausgeglichenes Raumklima.
Um eine gute Luftqualität zu gewährleisten, sollten die Baustoffe gute sorptive (feuchtigkeits- und keimbindende) Eigenschaften haben. Gleichzeitig sorgen Baustoffe, die die Wärme gut speichern können und antistatische Oberflächen für eine gesunde Raumluft. Nicht zuletzt erfasst der Geruchssinn die Luftverhältnisse und damit die Qualität der Baustoffe.

Wie kann Stadtplanung die Umwelt positiv beeinflussen?


Großprojekt Gewerbehof Prisma in Nürnberg, Architekt Joachim Eble

Intelligente Konzepte in der Stadtplanung ermöglichen den sparsamsten Umgang mit den Ressourcen und den Abfallprodukten.
Bei sinkender Bevölkerungszahl wird in der momentanen Entwicklung immer mehr Raum beansprucht. Umweltverträgliche Planungen dagegen schaffen verdichtete Quartiere mit hoher Wohn- und Arbeitsqualität , deren Flächen minimalst versiegelt werden und deren Energieversorgung mit möglichst wenig CO2- Ausstoß, bevorzugt mit regenerativen Energiequellen gewährleistet wird. Das städtebauliche Konzept sollte eine günstige Orientierung der Gebäude von Süd-Ost bis Süd-West ermöglichen, um die Sonnenenergie nutzen zu können.
Ökologisches Bauen hat nicht nur diese Ziele, sondern versucht menschliche Lebensräume als Bestandteile der natürlichen Kreisläufe zu gestalten. Überschaubare Nachbarschaftsstrukturen können umweltbewusstes Handeln aus dem Gefühl der sozialen Verantwortung heraus positiv beeinflussen.


Ökosiedlung Köln Blumberg , Architekt Reimund Stewen


Arbeitsweise und Ziele des B.A.U.

Der BAU besteht aus ca. 80 Mitgliedern bundesweit, welche mit unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten arbeiten. Projekte werden je nach Kompetenz, Thema und Region auch gemeinsam bearbeitet.
Mitgliedsanwärter müssen ihre beruflichen Fähigkeiten in Praxis, Forschung und Lehre im Sinne der Ziele des Verbandes nachweisen.

Ziele des Verbandes sind außer der aktiven Umsetzung der oben erwähnten Planungskriterien:
Weiterbildungsangebote für die Öffentichkeit durch Arbeitskreise, Ausstellungen und Vorträge anbieten, um Aufklärung zu betreiben

  • Förderung von Aus- und Weiterbildung durch Einwirken auf Lehranstalten und Lehrinhalte
  • Einwirken auf die am Bauprozeß beteiligten Entscheidungsträger in Normung, Bauordnung und Gesetzgebung
  • Vernetzung von Architekten, Verbänden, Firmen, Institutionen, die das ökologische, nachhaltige Bauen fördern
  • lebensfördernde Erkenntnisse aus Natur- und Geisteswissenschaft als Grundlage des Bauprozesses verwenden

 



Verfasser dieses Artikels:

Hilke Groenewold, temp. Mitarbeiterin des B.A.U.,
Hartmut Scherer, Vorstandsvorsitzender und Architekt, Berlin
Danela Pelikan, Geschäftsführerin

B.A.U.
Bundesgeschäftsstelle
Telefon: 030.8876450